Schnuppern gehen – warum die berufspraktischen Tage so wichtig sind

Ab der 8. Schulstufe haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, in verschiedenen Firmen beim Schnuppern erste Berufserfahrung zu sammeln. Sowohl Mittelschulen, als auch Polytechnischen Schulen planen diese Veranstaltungen ein, damit die Jugendliche verschiedene (Lehr-)Berufe kennen lernen und eine fundierte Entscheidung für ihre berufliche Zukunft treffen können.

 

Zwischen „Traumberuf“ und „echtem Berufsleben“ 

Oft haben wir ganz klare Vorstellungen, was wir einmal werden wollen: Tierärztin, Friseur, Maschinenbauerin oder Tischler. Aber: entspricht die Vorstellung, was den Job ausmacht und was man im Alltag zu tun hat, auch der Realität?

Das findet man nur heraus, wenn man sich den Berufsalltag einmal ganz genau anschaut. Dabei ist es egal, ob man nun eine Lehre beginnen oder mit einem konkreten Berufswunsch eine weiterführende Schule besuchen will; die Fragen bleiben dieselben.

  • Entsprechen die Tätigkeiten dem, was ich kann und mag?
  • Mag man den Geruch und das Material, mit dem man den ganzen Tag umgeben ist?
  • Liegt mir ein Job, wo ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitze bzw. bei Wind und Wetter draußen bin?
  • Habe ich mir das Ganze „irgendwie anders“ vorgestellt?
  • Bin ich gerne Teil eines großen Teams oder fühle ich mich in einer kleinen Firma doch wohler?

Die Antwort auf solche wichtigen Fragen findet man nicht in der Theorie, sondern nur in der Praxis heraus.

 

An der richtigen Stelle Zeit investieren, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden 

Beim Schnuppern sollte man Interesse und Engagement zeigen. Das Grundlegendste ist jedoch zunächst die Bereitschaft, die eigene Zeit zu investieren und nicht den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen. Natürlich könnte man grundsätzlich die geforderten Schnuppertage im Betrieb von Verwandten absolvieren oder bei den Eltern im Job absitzen.  Aber das ist nicht Sinn der Sache und zudem sehr kurzfristig gedacht, denn jeder Tag, an dem man in einen Beruf hinein schnuppert, verschafft Gewissheit!

Auch wenn sich der Tag womöglich endlos zieht und am Abend klar ist, „das ist es nicht!“, hat man immerhin dieses Wissen gewonnen. Und die Investition dahinter ist verhältnismäßig gering im Vergleich zu einer abgebrochenen Ausbildung. Beginnt man eine solche, weil „der große Bruder auch bei der Firma ist“ oder „man immer schon dachte, das sei spannend“, ohne selbst einen Blick hinter die Kulissen geworfen zu haben, ist die Enttäuschung oft vorprogrammiert.

 

Das Schnuppern als 1. Schritt zur passenden Lehrstelle 

Auch die Ausbildungsbetriebe wissen, wie wichtig die Erkenntnis ist, die Jugendliche beim Kennenlernen des echten Berufsalltages gewinnen. Deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Unternehmen sagt: „ohne vorheriges Schnuppern gibt es auch keine Lehrstelle!“ Denn auch für die Firma ist es nicht von Vorteil, wenn ein Lehrling die Ausbildung beginnt, dann aber nach wenigen Wochen wieder abbricht, weil er sich das „doch anders vorgestellt hatte“. Aus diesem Grund fordern viele Unternehmen auch mehrtätige Schnuppereinsätze, schauen, wie die Zusammenarbeit im Team harmoniert und zeigen auch die anstrengenden oder weniger spannenden Aufgaben in der Ausbildung.

Auf diese Weise lernen die Schülerinnen und Schüler beim Schnuppern schon viele verschiedene Aspekte kennen, die sie im Berufsalltag erwarten würden, und mögliche falsche Berufsvorstellungen korrigieren. Wenn es dann auf allen Ebenen passt, ist die Basis für eine erfolgreiche Ausbildungszeit gelegt.

 

Regelungen zum Thema Schnuppern 

An berufspraktischen Tagen verrichten Schülerinnen und Schüler kurzfristig und ohne Entgelt einzelne Tätigkeiten im Betrieb. Das Schnuppern ist möglich als

  • gemeinsame Schulveranstaltungen
  • schulbezogene Veranstaltungen
    • individuelle Berufsorientierung während der Unterrichtszeit
    • ab der 8. Schulstufe möglich
    • mit Erlaubnis des Klassenvorstands
    • an max. 5 Tagen pro Schuljahr

Zudem können Jugendliche außerhalb der Schulzeit (Ferien) max. 15 Tage pro Betrieb und Kalenderjahr schnuppern gehen. Durch den Schulbesuch sind die Schüler auch während dieser Zeit unfallversichert, allerdings müssen die Eltern zustimmen und im Betrieb muss eine geeignete Aufsichtsperson vor Ort sein.

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